
Eigentlich ist er ja ein ganz lieber. Einer, der keiner Fliege was zu leide tun kann. Einer, der sich mit einem Lächeln auf dem Gesicht durch den Dschungel des Finanzamts schlägt, sich eine Reinkarnation als Golden Retriever vorstellen kann und offen sein Faible für „Shopping Queen“ zugibt. Und einer, der angeblich dank seiner Tätowierungen und der langen Mähne oft falsch eingeschätzt wird. Dabei sieht Lennard Rosar gar nicht so wild aus. Aber gut, nur so funktioniert sein erstes Solo-Programm, das er nun auch im Pantheon gespielt hat. In diesem bringt er nämlich den inneren Wikinger unter Kontrolle – und lässt stattdessen (getreu dem Programmtitel) die „Schildmaid“ heraus.
Im Grunde ist Rosar ein Optimist, auch wenn ihm natürlich klar ist, dass längst nicht alles prima läuft auf dieser Welt. Doch mit guter Laune, so seine Überzeugung, ist alles nur noch halb so schlimm. Und die kann man leicht bekommen, zum Beispiel indem man sich einfach mit skandinavischen Sprachen befasst und sich über verschiedene Worte amüsiert. Über „Gammelmormor“, was schwedisch für „Urgroßmutter“ ist, oder über die isländische Bezeichnung für einen Panda: „Bambusbjörn“. Die alte schwedische Bezeichnung für Batman („Läderlappen“) dürfte wohl ebenso dazugehören, ebenso wie das alte finnische Längenmaß Poronkusema, was wörtlich „das Pissen des Rentiers“ bezeichnet und die Strecke misst, die ein Rentier zurücklegen kann, ohne urinieren zu müssen. Es sind übrigens 7,5 Kilometer. Aber lassen wir das…
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Auf jeden Fall ist es Rosars erklärtes Ziel, am Ende seines anderthalbstündigen Programm sein Publikum fröhlicher nach Hause zu schicken, als es zu ihm gekommen war, und dafür greift er auf alle Elemente moderner Comedy-Arbeit zurück, die sich als erfolgversprechend erwiesen haben. Dazu gehört vor allem die Einbeziehung des Publikums: Zwar muss Rosar aufpassen, dass er es mit seinen Witzen und Spitzen gegen den ein oder anderen Gast nicht zu weit treibt und sie vorführt, statt mit ihnen zu lachen, im Großen und Ganzen kommt sein Charme aber gut an. Schade ist hingegen, dass er zwar verspricht, auf vom Publikum gewünschte Themen einzugehen, zu Künstlicher Intelligenz aber gar nichts und zur AfD nur wenig Tiefgründiges sagen kann – dabei bewegt beides derzeit sowohl den politischen als auch den gesellschaftlichen Diskurs.

Aber gut, Rosar bezeichnet sich schließlich nicht als Kabarettisten, obwohl er sowohl die Profillosigkeit mancher Nachwuchspolitiker kommentiert als auch die Herstellung von angeblich
klimaneutralem Grünem Gas mit Hilfe von Kohlekraftwerken. Eigentlich könnte er in diesen Momenten ruhig mehr in die Tiefe gehen, zumal das Publikum des 31-Jährigen seinen entspannten Ausführungen
gerne zuhört. Stattdessen springt er lieber wieder in die seichten Comedy-Gewässer, erinnert an die „Sexy Sport Clips“ seiner Jugend, spricht über Penisbilder und wundert sich über
96-Stunden-Deos. Ist auch OK. Schön ist zudem sein Text über einen Besuch im Finanzamt, bei dem Rosar geschickt mit der Sprache spielt und zeigt, dass man auch im Friedhof der guten Laune mit
einer positiven Einstellung weiterkommt als mit einer schlechten. Oder mit gar keiner.
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