Sonderlich viel Deutsch ist nicht hängen geblieben bei Jean-Pierre Bokondji alias Jupiter. Dabei ist er doch hierzulande aufgewachsen, als Diplomatensohn in Ost-Berlin, damals in den 60er und 70er Jahren. Aber nach mehr als 45 Jahren sind die Sprachkenntnisse „kaputt“, wie Jupiter lachend während des kurzen Interviews gesteht, das der Kongolese unmittelbar vor seinem „Over the Border“-Auftritt im Pantheon gibt. „Neger“, das kann er noch sagen, „Neger“, wie er damals von den Menschen auf der Straße bezeichnet wurde und wie er ein paar Jahre später seine erste Band nannte, in der die Musik seiner Heimat mit europäischem Rock fusionierte. Ja, Grenzen hat Jupiter schon zu jener Zeit nur zu gerne überschritten, und zwar teilweise wörtlich. „Wir lebten im Osten, aber meine Schule war in West-Berlin“, erzählt er. „Es war schon ironisch, dass ich als ’Neger’ die Mauer passieren durfte, während die Bürgerinnen und Bürger der DDR abgewiesen wurden.“
Was für eine Stimme, was für eine Performance, was für eine Ausstrahlung: Božo Vrećo ist schon ein ganz besonderer Mensch bosnischer Herkunft, einer, der die traditionelle Sevdalinka meisterhaft zu singen versteht, in der die Schwermut eigentlich eine ähnliche Bedeutung besitzt wie im Fado die Saudade. Nur dass Vrećo als nichtbinäre Persönlichkeit die melancholischen Elemente durch unbändige positive Energie ersetzt, um die Harmonik und Rhythmik der bosniakischen Musik neu zu befeuern. „Sevdah ist Freiheit, Liebe und Mut“, hat Vrećo im vergangenen Jahr in einem Interview mit dem queren Magazin Siegessäule betont – und jetzt bei einem Konzert im Pantheon bewiesen, dass es sich dabei nicht etwa um Worthülsen handelt. Sondern um Leitlinien für eine beeindruckende Künstlerkarriere.
Für Journalisten allgemein und für Kriegsberichterstatter im Besonderen gilt die Prämisse, das man nah dran sein muss am Geschehen, um Reportagen schreiben zu können. Ohne Gespräche mit Augenzeugen und Fotos von in Trümmern liegenden Städten sind die Schrecken eines solchen Konflikts nur schwer erzählbar. Doch vor allem die Redakteure aus dem Ausland brauchen Hilfe vor Ort, Menschen, die vermitteln können und Türen öffnen, die sonst verschlossen bleiben würden. In der Ukraine sind dies die so genannten Fixer. Sie organisieren Reisen, schätzen das Risiko ein, übersetzen und geben so Impulse für das Narrativ, das in die Welt hinausgetragen wird. Nun hat das Kölner Theaterkollektiv Futur3 diesen Personen mit dem Rechercheprojekt „Making the Story“ ein Denkmal gesetzt. Am 13. März findet die Uraufführung in Depot 2 des Schauspiels Köln statt.
Vor 20 Jahren waren Franz Ferdinand ganz oben. Die Schotten katapultierten sich damals an die Spitze des Britpop, indem sie Elemente des New Wave und des Rock hineinmischten, ein paar dunkle Elemente hinzumischten und das Gaspedal durchdrückten, um einen herrlich tanzbaren und gleichzeitig krachenden Sound zu schaffen. Die Position an der Spitze haben die Thronfolger – Franz Ferdinand benannten sich nach dem habsburgischen Thronfolger, dessen Ermordung in Sarajevo 1914 zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte – inzwischen nicht mehr inne, live sind sie aber weiterhin für eine Party gut. Auch mitten im Karneval. Und so lockt die Band ein buntes Publikum in die Kantine, Teenager ebenso wie Mittfünfziger, schwarzgewandete Semi-Goths ebenso wie den ein oder anderen Jecken, die alle nur das eine wollen: Spaß. Was sie auch bekommen.
Wenn Helene Bockhorst den Mund aufmacht, entsteht schnell der Eindruck, dass der Abend lang werden könnte. Sehr lang. Da steht eine Frau auf der Bühne, die man vielleicht als graues Mäuschen bezeichnen könnte, wenn sie nicht einen quietschbunten Ganzkörperanzug tragen würde, und erzählt mit monotoner und träger Stimme von Pferden, Live-Hacks, ihrem Sex-Leben und ihren Lieblingserinnerungen an die Kreide- beziehungsweise Schulzeit. Na, das kann ja heiter werden. Doch der erste Eindruck täuscht. Denn hinter der scheinbar schüchternen Person verbirgt sich ein gewitzter Verstand, der geschickt die Form der Stand-Up-Comedy nutzt, um mit Erwartungen zu jonglieren. Was besser klappt als mit Bällen.
Was nicht gesendet wird, ist häufig genug am lustigsten: Das behauptet zumindest die WDR2-Moderatorin Steffi Neu. Eine Aussage, die angesichts der sehr beschränkten Radiozeit nicht allzu verwunderlich ist, aber dennoch eine Verifizierung verdient hat. Nicht zuletzt weil dann der Spaß erst so richtig losgehen kann. Also hat Frau Neu kurzerhand den Fußball-Experten Sven Pistor, den Notfall- und Lungenfacharzt Doc Esser sowie den Kabarettisten und Sprach-Parodisten René Steinberg eingeladen, mit ihr zusammen auf die Bühne der Springmaus zu gehen und mal jene Gespräche zu führen, die sonst zu kurz kommen. Was tatsächlich überaus unterhaltsam ist. Vor allem dann, wenn die vier auf Skripte verzichten. Und einfach drauflos reden.